Amphi Festival – Bericht.

Da hat man sich mehr als ein halbes Jahr auf dieses Festival gefreut, immer wenn neue Bands bestätigt wurden, stieg die Vorfreude. Und nun ist schon alles vorbei. Aber schön war es! Ein wirklich gelungenes Festival.

Ich hatte vom Eröffnungsevent ja schon hier berichtet. Eine wunderbare Einstimmung auf die Stadt, die Menschen und die Musik. Für mich war es eine doppelte Premiere an diesem Abend, habe ich doch noch nie einen Schifffahrt auf dem Rhein unternommen oder überhaupt an einem „schwarzen“ Festival teilgenommen.

Die Infrastruktur dieses Festivals gefällt mir übrigens sehr gut. Mitten in Köln, am Tanzbrunnen, hat man eine Menge Hotels in jeder Preisklasse in der Nähe, man muss also nicht Campen. Auf dem Gelände gibt es richtige Toiletten mit Reinigungspersonal, keine Dixieklos (meine persönliche Hölle). Die Mainstage ist schön zentral, man kann eigentlich von überall gut sehen. Es gab einen extra abgesperrten Bereich für Rollstuhlfahrer sowie einige Sitzgelegenheiten mit guter Sicht. Für das leibliche Wohl war gut gesorgt, allerdings kann ich jetzt nicht sagen, ob auch für Vegetarier genug angeboten wurde. Ebenso konnte man shoppen, es waren eine Menge Verkaufsstände rund um den Tanzbrunnen aufgestellt, die das schwarze Herz höher schlagen liessen. Sogar schattige Plätze gab es, die auch unbedingt nötig waren. Mit so genialem Sommerwetter habe ich nicht unbedingt gerechnet.

Am Samstag haben wir erstmal ausgeschlafen und sind in Ruhe frühstücken gegangen. Eine halbe Stunde Fußweg haben wir dann zum Gelände benötigt, direkt am Rhein entlang und über die Deutzer Brücke mit ihren Liebesschlössern.
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Der Einlass zum Gelände war unproblematisch, keine Schlangen und ewiges Anstehen nötig. Wir hatten am Abend vorher schon eines der Schließfächer in Beschlag genommen, eine sehr gute Idee. Dort konnten wir z. B. unsere Jacken und Wechselklamotten lagern. Die ersten Bands spielten schon, als wir uns auf dem Gelände einfanden.

„She Past Away“ hatten schon angefangen – ich mag den „alten“ Gothik Sound sehr. Ich hatte sie bereits in Bielefeld in diesem Jahr live gehört. Bis dahin hatte ich nicht vermutet, dass es auch türkische Goth Bands gibt. 🙂

„Clan Of Xymox“ wollte ich schon immer mal live sehen, auch wenn ich nicht viel von ihnen kenne. Für mich waren sie in meinen schwarz-musikalischen Anfängen die Aushängeschilder für schwarze Musik. So habe ich mir Goths immer vorgestellt. Ausserdem fand man sie früher in fast jeder „Zillo“-Ausgabe. Der Auftritt war schön, mit Gänsehaut. Sie spielten sogar „Louise“. Wunderbar!
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„Lord Of The Lost“. Tja. Die Take-That unter den Gruftis. Nicht mein Geschmack, leider auch schlecht abgemischt. Die Mädels standen kreischend vor der Bühne und später auch in laaaangen Schlangen bei der Autogrammstunde.

„Corvus Corax“ – auf Grund von leichten Ermüdungserscheinungen haben wir uns diese Band vom beschatteten Tanzbrunnen aus angehört. Wenn man denn was hören konnte. Anscheinen mussten die Gesellen ohne Mikros spielen, so leise waren sie. Schade, ich mag die Musik. Sie haben sich wohl für das Sparrenburgfest in Bielefeld am Sonntag warmgespielt.

„Aesthetic Perfection“ spielten im Staatenhaus. Ein riesiges Gebäude, allerdings dort, wo die Bühne stand, nur ca. 4 Meter hoch. Eine Luft zum schneiden. Innerhalb von Sekunden durchgeschwitzt. Aber sie waren schnell, laut und gut. Ein Live-Schlagzeuger, der wie Animal bei den Muppets wütete. Ich kannte die Band nur flüchtig von CD, live gefallen sie mir viel besser. Leider habe ich aufgrund der Hitze nicht bis zum Schluß ausgehalten.

„Hocico“, wieder unter freiem Himmel, habe ich vor vielen Jahren schon mal im Kick (sorry, „X“) in Herford gesehen. Nicht ganz meine Musik, aber der kleine, wilde Mexikaner hat definitiv Bühnenqualitäten. Die Menge tobte ganz ordentlich.

„Blutengel & the Monument Ensemble“ waren wieder Kontrastprogramm. Wirklich schön umgesetzt, kitschig as hell, aber machte trotzdem Gänsehaut. Manchmal fragte ich mich allerdings, ob das wirklich live war. Technisch schon fast zu gut.

„Front 242“ – mein Highlight an diesem Tag. Habe mich rechtzeitig neben das Mischpult begeben. Endlich konnte ich diese Gruppe mal live sehen. Ich hoffte auf alle mir bekannten Hits (was anderes wird eh selten gespielt bei kurzen Festival-Sets). Die Herren sprangen auch gleich mit „Happiness“ auf die Bühne, aber leider konnte man keinen Ton des Sängers hören. Sehr ärgerlich. Irgendwann funktionierte das Mikro dann, aber die Begeisterung des Herrn de Meyer hielt sich in Grenzen. Es folgte „Im Rhythmus Bleiben“. Ich war total euphorisch und wollte eigentlich nur tanzen, tanzen, tanzen – aber dann brachen die Künstler den Auftritt ab. Die Technik wollte nicht. Schimpfend und fluchend stürmten sie von der Bühne. Und ich war stinksauer. Nach über 30 Minuten und hektischen Umbauarbeiten konnte die Band weitermachen, aber leider nur bis 22 Uhr – wegen der Lautstärke… Also folgten noch 7 Titel, unter anderem „Headhunter“ und „Welcome To Paradise“. Ich hätte locker noch 2 Stunden weiter zuhören können. Wirklich schade.

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Es folgte eine wirklich sehr gute After-Show-Party, bei der ich durchaus hätte bis 4 Uhr durchtanzen können, aber leider waren gegen 2 Uhr meine Kräfte am Ende und ich musste schlafen.

Samstag haben wir wieder ausgeschlafen und gefrühstückt, dann wieder zu Fuß zum Gelände. Auch an diesem Tag spielten die Bands schon, aber zum Glück waren unsere Auserwählten später dran.

„In The Nursery“ kenne ich auch nur von CD, und habe auch ein paar Lieblingslieder. Gänsehautfeeling bei „Bombed“. Sonst leider etwas unspektakulär. Aber die großen Pauken auf der Bühne hatten was.
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„Mesh“ spielten danach – wir haben uns währenddessen ein wenig zwischen den Marktständen umgesehen und quasi „nebenbei“ zugehört. Sehr solide, klingt irgendwie nicht anders wie vom Album.

„Mono Inc.“ wollte ich gar nicht sehen, sondern „Rotersand“ – aber wir sind irgendwie im Beachclub gelandet. Dort war es unheimlich schön, gemütlich und sonnig. So habe ich „Mono Inc.“ nur aus der Ferne gehört.
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„London After Midnight“ sind auch so Klassiker meiner Jugend – ich kenne zwei Lieder von Samplern. Genau wie „Clan Of Xymox“ richtig schöne Bilderbuch-Gruftis, die ich aus den Zeitschriften kannte. Sie spielten „Kiss“ und „Sacrificed“ und wieder hatte ich eine fette Gänsehaut. Leider blieben auch sie nicht von technischen Problemen verschont, die Bühnenpräsentation (Videos?) wollte nicht laufen. Und bei „Sacrificed“ setzte der Monitor des Sängers aus – er konnte sich nicht mehr hören. Und das hörten wiederum wir. Ziemlich schief…

„Die Krupps“ – Highlight! Wieder technische Probleme, aber Herr Engler wusste besser damit umzugehen wie Front 242. Er machte Witze, spielte Metall-Soli und liess das Publikum komische Dinge ins Mikro singen. Und dann legten sie los. Einfach großartig. Innerhalb von Sekunden war ich klatschnass geschwitzt, konnte nicht mehr aufhören zu tanzen und war völlig begeistert. Einmal live „To The Hilt“. Geil.
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Zum Abkühlen sind wir dann aus dem Staatenhaus raus – und in die Schlußtakte von „Eisbrecher“ gerannt. Etwas zu sehr weichgespülter Rammstein-Verschnitt, aber der Sänger ist durchaus ein Entertainer. Ich kenne den nur vom TV, wo er mal was mit Autos gemacht hat. Gut zum Abkühlen.

Ein Hoch auf die Idee, Wechselklamotten in die Schließfächer zu packen. So konnten wir mit trockenen Klamotten wieder aufs Schiff für die Abschlussfahrt. Es lief ähnlich ab wie am Freitag, Rhein rauf- und runter und dazu Bands. Diesmal aber Klassisch. Mit Gitarre, Klavier, Flügel und ein ganz bisschen Keyboard.

„Persephone“ – nur kurz gesehen und gehört, aber war mir zu theatralisch. Die Dame starb ja fast auf der Bühne.

„Solar Fake“ – ziemlich gut, ich kenne den Herrn eigentlich nur als „Zeraphine“. Kann singen, hat Humor und die Überraschung des Tages – als er „Die Flut“ covert, kommt plötzlich Peter Heppner auf die Bühne. Publikum begeistert, Gänsehaut überall.

„VNV Nation Classical“ – einfach nur wunderbar. Ronan Harris nur von einem Flügel begleitet. Zu Tränen gerührt, total nervös und im Anzug mit Krawatte. Ein ungewohntes Bild. Er hat sich auch, wie angekündigt, nicht vom Mikro wegbewegt. Aber uns hat er bewegt. 8 Stücke lang Gänsehaut pur, ein perfekter Abschluss für ein ganz tolles Festival.
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Danke für das Geschenk, Herr D.! :*

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